Nachhaltigkeitsdaten werden für viele kleine und mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Kunden, Banken und größere Auftraggeber erwarten zunehmend belastbare Informationen zu Emissionen, Ressourcenverbrauch und Nachhaltigkeitskennzahlen. Wer diese Daten frühzeitig strukturiert erfasst, kann Anfragen schneller beantworten und bessere Entscheidungen treffen. 

Business Central SaaS bietet dafür ein eigenes Nachhaltigkeitsmanagement. Mit dem Modul lassen sich Treibhausgasemissionen erfassen, Nachhaltigkeitskonten strukturieren und erste Grundlagen für ein ESG Reporting schaffen. Inzwischen geht es dabei nicht mehr nur um die reine Erfassung von CO₂ Werten. Business Central unterstützt auch bei der Auswertung von Emissionen, Wasser, Abfall und weiteren Nachhaltigkeitskennzahlen über integrierte Berichte und Power BI Auswertungen.  

Welche Relevanz hat das Thema für Unternehmen? 

 
Auch wenn viele KMU aktuell noch nicht direkt berichtspflichtig sind, ist das Thema bereits heute relevant. Größere Kunden können Informationen zu Scope 3 Emissionen anfragen. Banken können Nachhaltigkeitskennzahlen für Finanzierungen berücksichtigen. Intern helfen die Daten dabei, Verbräuche, Emissionen und Einsparpotenziale besser zu verstehen. 

In diesem Artikel zeige ich, welche Möglichkeiten das Nachhaltigkeitsmanagement in Business Central bietet, welche Daten Sie bereits heute sinnvoll erfassen können und wie Sie mit Power BI mehr Transparenz in Ihre Nachhaltigkeitskennzahlen bringen.
 


Kernfunktionalitäten des Nachhaltigkeitsmanagements   

Das Herz der Lösung bildet das Zusammenspiel von Nachhaltigkeitskonten, ihrer Kategorien und Unterkategorien.   

Die Abbildung der Nachhaltigkeitskonten erfolgt im Nachhaltigkeitskontenplan. Die Gliederung erfolgt nach den drei Scopes des GHG-Protokolls. Jedem Nachhaltigkeitskonto wird eine Kategorie und Unterkategorie zugewiesen.  So entsteht eine Struktur, mit der Emissionen einheitlich erfasst und den passenden Bereichen zugeordnet werden können. 

Nachhaltigkeitskontenplan

 

Beim Greenhouse Gas Protocol handelt es sich um einen weltweit genutzten Standard der Berichterstattung von Treibhausemissionen. Die drei Scopes lassen sich wie folgt beschreiben:  

  • Scope 1: Direkte Emissionen aus primären Energiequellen, genutzt für Unternehmensstandort oder Fahrzeuge. 
  • Scope 2: Indirekte Emissionen, Entstehung durch Erzeugung der vom Unternehmen bezogenen Energie. 
  • Scope 3: Weitere indirekte Emissionen, die mit der Geschäftstätigkeit verbunden sind und in vorgelagerte und nachgelagerte Bereiche eingeteilt werden.  

 

Die Kategorien bestimmen, wie die Emissionen erfasst und zu welchem Scope sie zugeordnet werden. Dadurch wird die Erfassung der Emissionen in die Standard-Buchhaltungsprozesse von Business Central integriert, was eine nahtlose Kombination von finanziellen und nachhaltigkeitsbezogenen Informationen ermöglicht.  

Neben Treibhausgasemissionen lassen sich inzwischen auch weitere Umweltkennzahlen berücksichtigen. Dazu zählen zum Beispiel Wasserverbrauch, Wassereinleitung, erzeugter Abfall, entsorgter Abfall und recycelte Mengen.  

 

Kontokategorie
 
 
Durch Unterkategorien lassen sich die Kategorien weiter spezifizieren. An den Unterkategorien lassen sich außerdem Emissionsfaktoren für Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) eintragen.  

Unterkategorien erlauben es, Emissionsfaktoren für spezifische Aktivitäten oder Materialien zu definieren. Die Faktoren bilden die Grundlage, um zu berechnen, wie viele Emissionen durch bestimmte Aktionen oder Prozessen erzeugt wurden.  
 
 
Unterkontokategorie
 
 

Erfassung der Daten

 

Für die Erfassung von Nachhaltigkeitsdaten bietet Business Central mehrere Wege. Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, wo die Daten im Unternehmen entstehen. 

Erfassung via Buchblatt

Unternehmen können Nachhaltigkeitsdaten direkt über Buchblätter eingeben, ähnlich wie bei Finanztransaktionen. Für einzelne Scopes, Kategorien oder Standorte lassen sich eigene Buchblätter vorbereiten, sodass regelmäßig nur noch die aktuellen Werte einzutragen oder zu importieren sind. 

Das eignet sich besonders für wiederkehrende Verbrauchsdaten wie Strom oder Gas.

Wiederkehrende Nachhaltigkeitserfassung

 

Erfassung via Einkaufsbelege

Emissionen, die aus externen Dienstleistungen oder eingekauften Waren stammen, können direkt über Einkaufsbelege erfasst werden. Diese Funktionalität muss in der Nachhaltigkeitseinrichtung aktiviert werden.  

In den Belegzeilen wird dem Artikel oder der Leistung ein Nachhaltigkeitskonto zugewiesen. Die entsprechenden Emissionswerte lassen sich manuell eintragen oder aus vorhandenen Stammdaten ableiten, wenn diese gepflegt sind. 

Ein typisches Beispiel ist der Einkauf von Verpackungsmaterial, Handelsware oder Transportdienstleistungen.

 

 Erfassung im Einkaufsbeleg
  
 

Erfassung am Artikel

Am Artikel können relevante Nachhaltigkeitsdaten hinterlegt werden, sofern diese Informationen verfügbar sind. Dazu zählen zum Beispiel THG Gutschriften, Kohlenstoffgutschriften pro Einheit oder vorhandene Nachhaltigkeitszertifikate. 

Das ist besonders hilfreich, wenn bestimmte Artikel regelmäßig eingekauft oder verkauft werden und die Nachhaltigkeitsinformationen dauerhaft gelten

 
Übersicht Artikelkarte Nachhaltigkeitsfelder
 
 
 Auswertungen und Nachhaltigkeitsberichte 
 

Business Central stellt verschiedene Auswertungen für das Nachhaltigkeitsmanagement bereit. Dazu gehören klassische Berichte im Excel Format wie zum Beispiel: 

  • Emissionen gesamt

  • Emissionen nach Kategorie

  • Emissionen pro Anlage

Zusätzlich stehen inzwischen Power BI Auswertungen für das Nachhaltigkeitsmanagement zur Verfügung. Damit lassen sich Emissionen nach Scope, Kategorie und Zeitraum analysieren. Auch CO₂ Werte, Zielvergleiche sowie Wasser und Abfallkennzahlen können übersichtlich dargestellt werden. 

Power BI Nachhaltigkeitsbericht in Business Central

Wie Power BI Berichte grundsätzlich in Business Central eingebettet und genutzt werden können, habe ich in meinem Beitrag zu Power BI Embedded Reports in Business Central zusammengefasst. 

 

Die Auswertungen bieten einen schnellen Einstieg in das Thema und helfen dabei, Entwicklungen, Schwerpunkte und mögliche Einsparpotenziale sichtbar zu machen. Bei Bedarf lassen sie sich an individuelle Anforderungen erweitern, zum Beispiel um zusätzliche Kennzahlen, eigene Filter oder die Verbindung mit Finanzdaten. 

Daten aus den Bereichen Social and Governance erfassen 

 
Das Nachhaltigkeitsmanagement in Business Central hatte ursprünglich einen starken Fokus auf Treibhausgasemissionen. Inzwischen wurde der Bereich erweitert. Neben Emissionen können auch Wasser und Abfall stärker berücksichtigt und über Power BI ausgewertet werden. Zusätzlich stehen erste Auswertungen für soziale Kennzahlen zur Verfügung, zum Beispiel im Bereich Social Analysis. 

Für ein vollständiges ESG Reporting reicht die reine Standardfunktion trotzdem meist nicht aus. Besonders Social und Governance müssen häufig individuell ergänzt werden. Dazu zählen zum Beispiel Mitarbeitendenstruktur, Qualifikationen, Schulungen, Richtlinien, Audits oder Verantwortlichkeiten in der Geschäftsleitung. Diese Informationen können je nach Bedarf über Finanzberichte, Statistikkonten oder zusätzliche Auswertungen abgebildet werden. 

Wichtig ist, frühzeitig zu klären, welche Daten bereits vorhanden sind und wie sie zuverlässig ausgewertet werden können. So entsteht Schritt für Schritt eine belastbare Grundlage für interne Auswertungen, Kundenanfragen und mögliche Berichtspflichten. 
 
 
 

Scorecards & Ziele  

 
Nachdem die ersten Nachhaltigkeitsdaten erfasst wurden, können in Business Central Scorecards und Ziele erstellt werden. Damit lassen sich Entwicklungen periodisch vergleichen und Fortschritte transparent darstellen. 

Ziele können für Unternehmen, Regionen, Länder oder einzelne Einrichtungen definiert werden. Business Central vergleicht automatisch die Werte der Ausgangsperiode mit der aktuellen Periode. Wird ein Ziel als Hauptziel markiert, erscheint es im Rollencenter des Nachhaltigkeitsmanagers. 

So behalten Verantwortliche wichtige Kennzahlen direkt im Blick und können schneller erkennen, ob Maßnahmen die gewünschte Wirkung zeigen.
 
 
Ziele im Nachhaltigkeitsmanager-Rollencenter
 

Fazit

 
Das Nachhaltigkeitsmanagement in Business Central bietet kleinen und mittelständischen Unternehmen einen praxisnahen Einstieg in die strukturierte Erfassung von Nachhaltigkeitsdaten. Emissionen, Wasser, Abfall und weitere Kennzahlen können dort erfasst werden, wo viele Unternehmensdaten ohnehin bereits entstehen: im ERP-System. 

Der größte Nutzen liegt nicht allein in der technischen Funktion. Entscheidend ist, dass Unternehmen frühzeitig eine saubere Datenstruktur aufbauen. Für einen erfolgreichen Start lohnt es sich, zunächst einige zentrale Fragen zu klären: 
  • Welche Nachhaltigkeitsdaten sind bereits im Unternehmen vorhanden? 
  • Welche Werte entstehen heute schon in Einkaufsprozessen, Artikeln, Standorten oder Buchblättern? 
  • Welche Kennzahlen sollen regelmäßig ausgewertet werden? 
  • Welche Ziele sollen mit den Daten verfolgt werden? 
  • Wer übernimmt intern die Verantwortung für Pflege, Prüfung und Auswertung? 

Mit den Standardauswertungen, Scorecards und Power BI Berichten lassen sich Entwicklungen sichtbar machen und Ziele besser verfolgen. So entsteht Schritt für Schritt eine belastbare Grundlage für Kundenanfragen, interne Entscheidungen und ein mögliches ESG Reporting. 

Unsere Empfehlung: Starten Sie pragmatisch. Beginnen Sie mit wenigen gut verfügbaren Kennzahlen, zum Beispiel Energieverbrauch, Fuhrpark oder Einkaufspositionen mit Emissionswerten. Prüfen Sie anschließend regelmäßig die Datenqualität und erweitern Sie die Auswertungen dort, wo es für Ihr Unternehmen sinnvoll ist. 

Sie möchten den Grundstein für ein effektives Nachhaltigkeitsmanagement und Reporting legen und Ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen?   

Kontaktieren Sie uns und profitieren Sie von unserem Produkt, Know-How und Erfahrungen.  

 

 

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Nathalie Kühn

Erstellt von Nathalie Kühn

Beraterin Projektkunden bei der Comsol Unternehmenslösungen AG

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