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Bye bye Google-Suche – Sind ChatGPT & Co. die neuen Suchmaschinen?

Geschrieben von Cedric Kau | 25.03.26 12:45

Lange Zeit war die Antwort auf fast alles: „Ich google mal eben.“ Ob Definition, Anleitung, Restaurant oder Produkt – der Weg führte fast immer über das Suchfeld von Google. Mit KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Perplexity hat sich das spürbar verändert. Viele Fragen landen heute zuerst in einem KI-Chat und Google ist nicht mehr automatisch die erste Wahl. Die naheliegende Frage:
Brauchen wir Google als klassische Suchmaschine überhaupt noch – oder hat KI übernommen?


Wie sich die Suche verändert hat

 

Aber wie kommt dieser Trend zustande? Im Prinzip ist die Erklärung simpel: Unsere Ansprüche haben sich verändert. Statt wie früher einfach Informationen zu einem Thema zu bekommen, wünschen sich viele heute eine kompakte, möglichst verständliche, fertige Erklärung.

Mir ist das neulich wieder an meinem eigenen Nutzungsverhalten aufgefallen: Ich wollte eine kurze Inhaltsangabe zum Buch Der Zauberer von Oz lesen. Statt mich durch den kompletten Wikipedia-Artikel zu scrollen, habe ich mir von der KI in der Google-Suche einen kompakten Überblick geben lassen – den hatte ich in weniger als einer Minute durch.

Früher hieß „suchen“ meistens: Begriff in die Suchmaschine tippen, die Ergebnisliste durchscrollen, mehrere Seiten öffnen und sich die Antwort selbst zusammensetzen. Heute läuft es oft anders: Eine Frage wird in normaler Sprache gestellt, eine KI liefert eine zusammenhängende Erklärung – und nur bei Bedarf werden die erwähnten Quellen oder zusätzliche Seiten geöffnet.

Wofür KI-Suche gerne genutzt wird

KI eignet sich besonders gut für Situationen wie:

  • neue Themen grob verstehen

  • Pro- und Contra-Argumente sammeln

  • Texte, Ideen oder Entscheidungen strukturieren

Für welche Fragen KI sinnvoll genutzt werden kann, haben wir bereits an meinem Beispiel der Buchzusammenfassung gesehen.

In wenigen Sekunden entsteht ein Überblick, mit dem sich weiterarbeiten lässt – ohne zuerst durch mehrere Artikel zu scrollen. Für viele ist das ein deutlich effizienterer Einstieg als der klassische Weg über zehn offene Tabs.

Wo Google weiterhin stark bleibt

Trotzdem ist die klassische Suche damit noch lange nicht überflüssig. Google bleibt vor allem dort wichtig, wo es um konkrete, überprüfbare oder sehr aktuelle Informationen geht:

  • Lokale Suche
    Restaurants, Ärzte, Handwerker, Routenplanung, Öffnungszeiten.

  • Einkauf & Vergleich
    Preise, Bewertungen, Produktdetails, Filterfunktionen.

  • Offizielle Quellen
    Behördenseiten, Herstellerdokumentation, Richtlinien.

  • Aktuelle Nachrichten
    Ereignisse, über die heute oder gestern berichtet wurde – mit unterschiedlichen Perspektiven.

In diesen Bereichen ist es oft sinnvoll, direkt zu sehen, auf welcher Seite man sich bewegt – und nicht nur eine zusammengefasste Antwort zu lesen.

Gleichzeitig reagiert auch Google auf diesen Wandel: Mit dem sogenannten KI-Modus lassen sich in der Suche mittlerweile KI-basierte Antworten nutzen, die eher wie ein Chat funktionieren und Informationen direkt zusammenfassen – ähnlich wie man es von ChatGPT & Co. kennt.

Was KI nicht abnimmt

So komfortabel KI-Antworten sind, einige Dinge bleiben in der Verantwortung der Nutzerinnen und Nutzer:

  • einschätzen, ob eine Antwort logisch und plausibel wirkt

  • prüfen, ob die genannten Quellen seriös erscheinen

  • entscheiden, ob die Informationen als Grundlage ausreichen

KI kann Inhalte verdichten und formulieren, sie garantiert aber nicht automatisch Richtigkeit oder Vollständigkeit. Genau wie bei klassischen Suchergebnissen ist ein kritischer Blick weiterhin wichtig – vielleicht sogar wichtiger, weil Antworten oft sehr „fertig“ wirken. 

Darüber hinaus ersetzt KI kein eigenständiges, menschliches Denken. Sie kann Zusammenhänge erkennen, Muster aus Daten ableiten und Vorschläge machen – aber sie versteht Inhalte nicht im menschlichen Sinn.

Logisches Abwägen, Erfahrung, Kontextwissen und verantwortungsbewusste Entscheidungen bleiben weiterhin Aufgabe der Nutzerinnen und Nutzer. KI kann unterstützen und Arbeit abnehmen, aber sie übernimmt nicht die Denkverantwortung.


Ist Google als Suchmaschine „tot“?

Eher nicht. Vor allem, weil die Treffsicherheit von KI-Bots nach wie vor deutlich verbesserungswürdig ist. Laut einer Studie der Europäischen Rundfunkunion (EBU) von Oktober 2025 sollen rund 45 Prozent der Antworten der meistgenutzten Chatbots Fehler enthalten – teilweise mit spürbaren Auswirkungen auf den Inhalt.

Außerdem hat ein Zusammenschluss mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender aus über 50 Ländern die Zuverlässigkeit verschiedener KI-Tools untersucht. Betrachtet man nur die reine Korrektheit der Antworten, ergeben sich dabei folgende Werte:
 
 

 

Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass Google nicht mehr alleiniger Startpunkt für jede Frage ist. Stattdessen ist es heute ein Baustein unter mehreren Möglichkeiten:

  • KI-Systeme liefern schnelle Einordnungen und Erklärungen

  • Suchmaschinen bieten Tiefe, Auswahl und Kontrolle über die Quellen

  • spezialisierte Plattformen (Shops, Karten, Social Media) decken bestimmte Bereiche direkt ab.

Entscheidend ist weniger, ob KI Google ersetzt, sondern wie beides zusammenspielt.

Auch im Unternehmensumfeld zeigt sich dieser Wandel deutlich. In Lösungen wie Microsoft Dynamics 365 Business Central unterstützt KI beispielsweise beim Formulieren von Texten, beim Zusammenfassen von Daten oder beim Analysieren von Geschäftsinformationen.

In Microsoft 365 – etwa in Outlook, Word, Excel oder Teams – übernimmt Copilot ähnliche Aufgaben: E-Mails werden vorformuliert, Dokumente strukturiert, Meetings zusammengefasst oder Daten ausgewertet.

KI ersetzt dabei keine Fachkenntnis, erleichtert jedoch viele wiederkehrende Aufgaben und schafft Freiräume für strategisches Arbeiten.

In vielen Fällen entsteht ein sinnvoller Ablauf:

1.    KI für den schnellen Überblick
2.   Google für die gezielte Vertiefung und Quellenrecherche

Fazit


Die klassische Google-Suche ist nicht verschwunden – aber sie steht nicht mehr allein im Zentrum.
KI hat unsere Erwartungen verändert: weg vom mühsamen Sammeln einzelner Infos, hin zu direkten Antworten.

Der sinnvollste Weg liegt wahrscheinlich dazwischen: KI nutzen, um schneller zu verstehen – Google nutzen, um gezielt zu prüfen und zu vertiefen.

Nicht „Google oder KI“, sondern:
Das passende Werkzeug für die jeweilige Frage wählen.


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